„Erst wenn der letzte Baum gerodet,
der letzte Fluss vergiftet,
der letzte Fisch gefangen ist,
werdet ihr merken,
dass man Geld nicht essen kann.“
(Cree Indianer)

Naturnahe Stadt

Klimawandel in der Stadt – die Fakten

Fast 60 Prozent der Menschen in Deutschland leben in Städten mit mehr als 20.000 Einwohnerinnen und Einwohnern, den sogenannten Mittelstädten und Großstädten. Dort gibt es mehr Bebauung, mehr versiegelte Flächen und weniger Grün, und das macht sich auch im Kleinklima bemerkbar. So ist die Temperatur in den Innenstädten im Sommer oft 5 Grad höher als am Stadtrand und sogar bis zu 10 Grad höher als auf dem Lande.

Dürre, Starkregen, Hitzewellen: Der Klimawandel ist längst da, auch in Deutschland. Nicht nur extreme Wetterereignisse nehmen zu, es gibt auch schleichende Entwicklungen, die unser Leben verändern werden. Diese Trends werden sich in Zukunft noch verstärken. Wie können Städte und ländliche Regionen auf die Folgen des Klimawandels reagieren?

In den Städten gibt es mehr versiegelte Flächen als auf dem Land, mehr und engere Bebauung und weniger Grünflächen. Häuser und Straßen heizen sich auf und speichern die Wärme, und bei Regen kann das Wasser durch die versiegelten Flächen nicht versickern, sondern fließt über die Kanalisation ungenutzt ab. Bäume und Grünflächen hingegen können (Regen-)Wasser speichern und geben es durch ihre Atmung wieder ab, was zu Verdunstungskälte führt, so dass die Temperatur in einem Wald oder einer Parkanlage deutlich niedriger und angenehmer ist als auf der Straße. Parks und Stadtwälder sind also nicht nur schön anzusehen, sie verbessern das Stadtklima, wirken dem Klimawandel entgegen, bieten Pflanzen und Tieren Lebensräume und erfüllen als öffentliche Räume auch soziale Funktionen. Städtisches Grün verbessert zudem die Luftqualität, indem es Luftschadstoffe und Staub, einschließlich Feinstaub, absorbiert und filtert. Zudem binden die Pflanzen CO2 und speichern es in Form von Kohlenstoff. Grünflächen tragen somit zum Klimaschutz bei. Darüber hinaus sind Stadtwälder und Parkanlagen, aber auch Brach- und Wildnisflächen wichtige Lebensräume für Tiere und Pflanzen und eine Voraussetzung für den Erhalt der Artenvielfalt. 

Auch für das Wohlbefinden der Bewohnerinnen und Bewohner spielt eine vielfältige Natur in der Stadt eine wichtige Rolle. Dazu zählen Straßengrün und Straßenbäume, Gärten, Brachflächen, begrünte Dächer, Parkanlagen, Friedhöfe, Kleingärten, Spielbereiche und Spielplätze, Sportflächen, Grünflächen vor und neben (öffentlichen, privaten und geschäftlichen) Gebäuden, Naturschutzflächen und Wald sowie begrünte Gebäude („Bauwerksgrün“), wie beispielsweise begrünte Fassaden und bepflanzte Dächer. Auch private Gärten und landwirtschaftlich genutzte Flächen in der Stadt oder am Stadtrand gehören dazu. Zusammengefasst wird das städtische Grün auch als „grüne Infrastruktur“ bezeichnet, da es zahlreiche wirtschaftliche, soziale und ökologische Leistungen erbringt – vergleichbar mit der „grauen Infrastruktur“, zu der Straßen und Gebäude zählen.

Doch in Städten sind viele Flächen versiegelt, und es gibt eine große Nutzungskonkurrenz. Was also kann getan werden, um die Städte lebenswerter zu gestalten und die „grüne Infrastruktur“ auszubauen?

  • Stadtbäume und Sträucher im Sommer regelmäßig gießen
  • Grün- und Brachflächen an und neben Gebäuden aller Art sinnvoll bepflanzen
  • Bei Neupflanzungen auf Hitzeresistenz und Insektenfreundlichkeit achten
  • Wo immer möglich nachträglich Fassaden begrünen und Flachdächer bepflanzen
  • Bei Neubauten Fassadenbegrünung und Dachbepflanzung einplanen
  • Renaturierung ehemaliger Industrieflächen
  • Entsiegelung von Wegen und Hofflächen sowie deren Begrünung
  • „Urban Gardening“: Privatpersonen, Initiativen oder Gruppen nutzen ungenutzte Flächen für die Gartenarbeit, wobei meist auf den ökologischen und nachhaltigen Anbau von Obst, Gemüse oder Kräutern gesetzt wird.
  • Private Imkereien im Stadtgebiet. Die Bedingungen in der Stadt sind günstig für die Imkerei: Die Bienen finden ein gutes und vielfältiges Nahrungsangebot, da ländliche Regionen häufig durch Monokulturen geprägt sind. Die Bienen wiederum fördern durch das Bestäuben die Erträge der urbanen Gärten.  
begrünte Fassade

Aktuelles

Unsere Stadt naturnaher zu gestalten, war von Anfang an ein starkes Interesse in der Forchheimer Transition-Gruppe. Viele unterschiedliche Ansätze (Urban Gardening, essbare Stadt, insektenfreundliche Bepflanzung, Gemeinschaftsgarten, Solidarische Landwirtschaft etc.) und deren Umsetzung wurden diskutiert. Da es für Urban Gardening bereits das Projekt „Stadtgarten Forchheim“  gibt und die Solidarische Landwirtschaft in Ebermannstadt existiert, entschieden wir uns, nicht weiter in diese Richtung aktiv zu werden. Die Verwirklichung eines Gemeinschaftsgartens, wo wir gemeinschaftlich pflanzen und ernten, scheiterte daran, dass bisher kein geeignetes stadtnahes Grundstück mit Bewässerungsmöglichkeit gefunden wurde, was man pachten und dann bewirtschaften könnte. Daher beschäftigten wir uns dann näher mit dem Konzept der „Essbaren Stadt“ nach den Vorbildern in Kassel oder Andernach. Diese Konzepte funktionieren dort sehr gut, kommen der eigenen Bevölkerung zugute und auch der Tourismus profitiert davon. Weitere Anregungen erhielten wir beim Besuch des Essbaren Wildparks (Ewilpa)“.  Bevor wir diese Ideen mit der Forchheimer Stadtgärtnerei und der Stadt besprechen konnten, kam der Corona-Lockdown sowie der Ausstieg von zwei Aktiven.

Dessen ungeachtet ist es uns ein Anliegen, die Menschen für Fragen des Klimaschutzes und der Bedeutung von städtischem Grün zu sensibilisieren. Und so hat sich die Untergruppe „Wildbienen gebildet, die in Zusammenarbeit mit Weber & Ott ein konkretes Projekt in der Konrad-Ott-Straße betreut.

Weitere Ideen, für die wir aktiv Mitmachende suchen, sind:

  • Baumpatenschaften: Menschen übernehmen für Straßenbäume eine Patenschaft, gießen sie im Sommer, pflanzen vielleicht Blumen am Fuß der Bäume, etc. Auf diese Art wird das Überleben des Baumes im trocknen Sommer gesichert und das Stadtbild verschönert.
  • Imkerei fördern – auf Wunsch können wir auch den Kontakt zu einem Imker, der ein Volk abgibt, vermitteln
  • Gespräche und Zusammenarbeit mit der Stadtgärtnerei, um
    • bei künftigen Blumenpflanzungen (insbesondere in den Pflanzpyramiden an den Einfallstraßen aus Reuth, Burk und in FO-Nord) bienenfreundliche Blühpflanzen auszuwählen
    • Bei Neupflanzungen im Stadtpark die Stadtgärtnerei anregen, essbare Pflanzen zu bevorzugen
    • Statt langweiliger Rasenflächen künftig Wildblumenwiesen anzusäen
  • Kooperationen mit Schulen und Kindergärten, um mit den Kindern die Natur zu entdecken

In der letzten Zeit erfreuen sich so genannte Steingärten zunehmender Beliebtheit. Als Vorgärten und überwiegend aus Schotter oder anderen Steinen bestehend, sind sie pflegeleicht – zumindest die ersten Jahre. Danach wird die unterliegende Unkrautschutzfolie zunehmend porös (und gibt Mikroplastik an die Umwelt ab) und das Unkraut findet einen Weg ans Licht.

Im Sommer heizen sich die Steine dieser Anlagen stark auf, speichern diese Wärme und geben sie nachts langsam ab, wodurch es auch nachts dann nicht mehr wirklich abkühlt. Und insekten- und klimafreundlich ist diese Form der Bodennutzung auch nicht, denn dort blüht so gut wie nichts. Schmetterlinge und Bienen brauchen aber Gräser, Sauerampfer, Klee und andere Pflanzen und Blumen, um sich zu ernähren und fortzupflanzen. Naturschützer und auch viele Bürger wollen keine versteinerten Gärten, sondern Natur und Artenvielfalt, denn auch für das Kleinklima sind blühende Gärten eine spürbare Wohltat.

Wie dpa Anfang August 2020 berichtete, bietet die Novelle der Bayerischen Bauordnung den Kommunen daher jetzt die Möglichkeit, derartige Gärten zu verbieten. Es bleibt abzuwarten, in welchem Umfang die Gemeinden diese Freiheit nutzen.

Weitere Informationen:

  • Die Saatgut-Retter: Industrielles versus Bio-Saatgut. Saatgutretter kämpfen gegen Monokulturen. ZDF Mediathek
  • Fassadenbegrünung ist ein echter Alleskönner -> Link