Anstatt das Automobil immer weiter zu entwickeln,
sollten wir uns überlegen,
wie wir Mobilität in Zukunft anders gestalten.

Hans-Peter Dürr – Physiker

Mobilität und Verkehr

Klimawandel und Verkehr
– die Fakten –

In Deutschland gehen etwa 20 % des gesamten Energieverbrauchs zu Lasten des Verkehrs. Mehr als 95 Prozent davon kommt vom Straßenverkehr, also von Autos und Lkws, davon entfallen nach Angaben des Bundesumweltamtes 67% auf den Personenverkehr und 33% auf den Güterverkehr. Obwohl die Fahrzeuge heutzutage viel effizienter sind, liegen die Emissionen des Verkehrsbereiches sogar über denen von 1990. Pkw und Lkw emittieren heute im Durchschnitt weniger Treibhausgase und Luftschadstoffe als noch 1995. So sanken die kilometerbezogenen bzw. spezifischen Emissionen des Treibhausgases Kohlendioxid im Schnitt bei Pkw um 9 Prozent, bei Lkw um fast 33 Prozent. Weil aber mehr Lkw unterwegs sind, sind die absoluten Kohlendioxid-Emissionen im Straßengüterverkehr heute um 22 Prozent höher als 1995. Da heute mehr und schwerere Autos unterwegs sind und wir mehr fahren als früher, hebt dies die Effizienzsteigerungen auf und am Ende stehen höhere Emissionen. Ökonomen nennen das den Rebound-Effekt. 

Da für die meisten Menschen Arbeiten und Freizeit an unterschiedlichen Orten stattfinden, ist Mobilität erforderlich, um vom einen zum anderen Ort zu gelangen. Auch die allermeisten Güter, die wir kaufen und konsumieren, müssen vom Hersteller zum Händler und von diesem zum Verbraucher transportiert werden. Für diese Transportwege werden unterschiedliche Transportmittel genutzt, die wiederum einen unterschiedlichen Beitrag zum Energieverbrauch und damit zum Klimawandel leisten.

Personenverkehr:

  • Fahrräder kommen bisher fast nur im privaten Bereich zum Einsatz, Lastenfahrräder sind die Ausnahme und funktionieren auch nur in urbanen Gebieten. Rein mechanische Fahrräder verbrauchen (außer der Muskelkraft des Fahrers) keine Energie und sind damit das ökologischste Verkehrsmittel. Die zunehmend beliebten E-Bikes sind nicht nur in der Anschaffung teurer, sie brauchen zum Nachladen des Akkus auch Strom. Wenn sie jedoch anstelle eines Autos genutzt werden, sind sie ökologischer als dieses. Wer nähere Informationen dazu haben möchte – hier ein Link
  • Pkw – hier gibt es so viele verschiedene Typen (Diesel-, Benzin-, Elektroautos und Hybrid- und Wasserstofffahrzeuge) dass eine umfassende Bewertung hier aus Platzgründen nicht möglich ist. Seit einiger Zeit werden Diesel-Pkw verteufelt und E-Autos als Allheilmittel des privaten Autoverkehrs gepriesen. Dies greift jedoch zu kurz und wird der Komplexität des Themas nicht gerecht. Nähere Informationen dazu bietet die Seite des ADAC und diese Seite von Spektrum .
  • Da Motorräder nur zwei Personen und geringe Lasten befördern können und am gesamten Fahrzeugaufkommen nur einen minimalen Anteil haben, gibt es dazu keine aussagekräftigen Studien.
  • Zum öffentlichen Personen Nahverkehr (ÖPNV) zählen Busse, Straßen-, S- und U-Bahnen sowie Regionalzüge. Der ÖPNV ist eine klimapolitisch sinnvolle Alternative zum Autoverkehr, ist jedoch gegenwärtig in seiner Taktung nicht ausreichend attraktiv, um als echte Alternative den privaten PKW-Verkehr nachhaltig zu reduzieren. Interessante Daten dazu liefert eine Umfrage des ADAC von 2019.

Güterverkehr

  • Der Gütertransport mittels Lkw hat in den letzten Jahren erheblich zugenommen. Dies liegt auch daran, dass immer mehr Waren importiert werden. 85% des Energieverbrauchs im Gütertransport gehen zu Lasten des Lkw-Verkehrs.
  • Nur 3,6% des Güterverkehrs erfolgen mit der Bahn. Dabei ist der Bahntransport deutlich ökologischer als der Lkw-Verkehr, weil die Bahn größere Mengen transportieren kann. Nachteilig ist, dass nicht überall entsprechende Bahnkapazitäten zur Verfügung stehen.
  • Der Anteil des Binnen-Gütertransports mit dem Schiff macht nach Angaben des Bundesumweltamtes nur 1,7% aus. Doch weltweit sind immer mehr und größere Schiffe auf den Weltmeeren unterwegs. Seeschiffe könnten aufgrund ihrer hohen Tonnagen ein vergleichsweise umweltfreundliches Transportmittel sein. Doch sie fahren mit Schweröl, einem ausgesprochen klimaschädlichen Kraftstoff und Schiffsunglücke können große Umweltkatastrophen verursachen.
  • Flugzeuge kommen sowohl im Gütertransport (dort mit etwa 10% nach Angaben des Umweltbundesamtes) als auch im Personenverkehr (hier überwiegend im Bereich Reisen) zum Einsatz. Neben den CO2-Emissionen haben sie weitere klimaschädliche Auswirkungen, siehe Link

Zusammenfassend kann man feststellen, dass es in unserer heutigen Welt nicht möglich ist, komplett auf Verkehr und die damit zusammenhängenden Klimabelastungen zu verzichten. Aber Einschränkungen und damit eine erhebliche Senkung der CO2-Emissionen ist bei entsprechender Änderung des Denkens und Handelns und der Gesetzeslage wären durchaus machbar.

Lösungsansätze

Wir brauchen eine Mobilitätswende. Deren wichtigste Devise lautet: Verkehr vermeiden, verlagern und verbessern. Also alles daranzusetzen, klimaschädlichen Verkehr zu verringern, umweltfreundliche Verkehrsmittel wie die Schiene zu stärken und die Verkehrsmittel, auf die nicht verzichtet werden kann, zu verbessern und ressourcenschonender zu betreiben.

Es gibt ja keine Probleme ohne Lösungen, daher hier einige Ideen. Dabei muss man unterscheiden zwischen Lösungen, die von Einzelpersonen, also von jedem, (zumindest theoretisch) umsetzbar sind, von Maßnahmen, die die Wirtschaft betreffen und solchen, die politische Regelungen erfordern. Allerdings lassen sich diese Kategorien nicht ganz trennen, denn in einer Demokratie geht die Politik ja vom Volke aus und so ist jeder von uns auch gefragt, Einfluss auf die Politiker zu nehmen und dies nicht nur den Lobbyisten zu überlassen. Und mit unserem Einkaufsverhalten können wir auch auf die Wirtschaft Druck ausüben. Um es doch so ein wenig zu kennzeichnen, haben wir die folgenden Punkte entsprechen farblich gekennzeichnet: rot für politisch notwendige Regeln, braun für Änderungen im Bereich der Wirtschaft und blau für das, was individuell möglich ist.

O Gehe – wann immer möglich – zu Fuß oder nimm das Rad. Bewegung ist gesund für den Körper und die Umwelt.

O Benutze so oft wie möglich den ÖPNV, das reduziert den CO2-Verbrauch und deinen persönlichen ökologischen Fußabdruck.

O Wenn du in der Stadt wohnst, frage dich, ob du wirklich ein eigenes Auto benötigst. Vielleicht ist Carsharing, das es in vielen Städten gibt, eine klimafreundliche Alternative für die wenigen Fahrten, für die du wirklich ein Auto brauchst. Und wenn es bei in deinem Ort kein Carsharing gibt: Gründe eines oder tue dich mit Nachbarn zusammen und teilt euch so ein Fahrzeug.

O Du brauchst das Auto, um zur Arbeit zu kommen? Dann bilde Fahrgemeinschaften, wechselt euch bei der Fahrt ab und spart auf diese Weise Kosten und schont das Klima.

O Wenn du das Auto zum Einkaufen brauchst, fasse mehrere Einkäufe zusammen (z.B. Bäcker, Metzger, Post, Supermarkt, Baumarkt), anstatt mehrmals am Tag für eine Kleinigkeit zu fahren. Frage auch bei Nachbarn, ob du ihnen etwas mitbringen kannst. Das fördert eine gute Nachbarschaft.

O Fahre vorausschauend: langsam beschleunigen und eine gleichbleibende, nicht zu hohe Geschwindigkeit halten. Vor Ortseingangsschildern oder roten Ampeln rechtzeitig den Fuß vom Gas nehmen.

O Bei der Anschaffung eines Fahrzeugs überlege dir genau, wie groß bzw. klein es sinnvollerweise sein sollte. In der Stadt braucht man keinen SUV und als Alleinstehender keinen Van. Auch die Antriebsart sollte bedacht werden (siehe auch nebenstehend unter Fakten).

O Wenn du deinen Urlaub planst, beziehe auch ökologische Gesichtspunkte mit ein. Muss es wirklich eine Flugreise um die halbe Erde oder eine Schiffskreuzfahrt sein? Beide sind extreme Belastungsfaktoren für das Klima. Wahre Erholung braucht kein fernes Ziel, sondern eher ein inneres sich Einlassen auf die Natur und ihre Heilkraft. Und die gibt’s ganz in der Nähe.

O Vermeide den Kauf von Produkten, die in weiter Ferne hergestellt und dann hierher transportiert wurden. Bevorzuge regionale Anbieter, das fördert die regionale Wirtschaft, sichert regionale Arbeitsplätze und schont das Klima.

O Förderung, Ausbau und Nutzung von Carsharing, Ridesharing und Leihangeboten

O Der Welthandel trägt einen großen Teil zum Klimawandel bei. Aus Profitgründen die Produktion auf Billiglohnländer zu konzentrieren, in denen Umweltstandards nicht berücksichtigt werden und in denen Arbeitskräfte schlecht bezahlt werden, in denen es unter Umständen auch Kinderarbeit gibt, erfordert lange Transportwege und damit hohe CO2-Emissionen. Diese Form des Wirtschaftens mag kurzfristig die Gewinne steigern, aber langfristig wird dafür ein hoher Preis gezahlt. Wer dem Geld immer die höchste Priorität einräumt, hat seine Menschlichkeit verkauft.

O Organisation von Werkbussen, die die Mitarbeiter zur Arbeit fahren

O finanzielle Unterstützung von Jobtickets für die Arbeitnehmer, die den ÖPNV nutzen

O Bevorzugung von regionalen Bezugsquellen, um den Güterverkehr zu reduzieren.

O Tempolimit 120/80/30 einführen: die am schnellsten wirksame Maßnahme, um CO2-Emissionen zu mindern und die Zahl der Verkehrstoten und -verletzten zu reduzieren, ist es, ein Tempolimit von 120 km/h auf Autobahnen, von 80 km/h auf Landstraßen und eine Regelgeschwindigkeit von 30 km/h in Städten und Dörfern einzuführen. Es gibt kein einziges vernünftiges Argument gegen diese Maßnahme.

O  Überarbeitung des Bundesverkehrswegeplans, um durch eine Stärkung von Bus und Bahn sowie des Radverkehrs den Pkw-Bestand in Deutschland deutlich zu senken. Die dringend benötigten öffentlichen Gelder dürfen nicht wie geplant zum größten Teil für den Neubau von Straßen verwendet werden, sondern müssen in den Ausbau des ÖPNV und in die Fahrradinfrastrukur fließen. Im Schienennetz müssen Engpässe beseitigt und alte Strecken reaktiviert werden.

O Beseitigung aller Subventionen, die die Nutzung umweltschädlicher Verkehrsmittel begünstigen:

  • Wegfall der vergünstigten Steuer für Dieselkraftstoff
  • Wegfall des Dienstwagenprivilegs für große und schwere Fahrzeuge
  • Besteuerung von Kerosin (Flugzeugtreibstoff)
  • Einführung der Mehrwertsteuer für internationale Flüge
  • Spezielle Umweltabgabe für Kurzstreckenflüge an alle Orte, die innerhalb von vier Stunden mit dem Fernzug erreichbar sind.
  • Befreiung des Schienenverkehrs von der Mehrwertsteuer
  • Belastung des Lkw-Verkehrs mit den durch ihn entstehenden Gesundheits- und Infrastrukturkosten über die Lkw-Maut
  • Sparsame Pkw begünstigen, Spritschlucker belasten
  • Elektromobilität ressourcenschonend ausbauen
  • Wasserstoff-Antrieb weiter erforschen und fördern und verbreiten

O Kostenlose oder fast kostenlose (1 €/Tag) Nutzung des ÖPNV, wie sie bereits in einigen Städten (z.B. Pfaffenhofen und Monheim) und in Luxemburg angeboten wird.

Wer weitere und tiefergehende Informationen möchte, dem seien folgende Internetquellen empfohlen:

Stand Verkehrswende in Forchheim-Stadt und Landkreis

Auch in der Stadt und dem Landkreis Forchheim besteht deutliches Verbesserungspotenzial im Verkehrsbereich.

Es gibt ein Carsharing-Angebot der Bürger-für-Bürger Energie eG (BfB) in Neunkirchen am Brand.

Auch in Forchheim hat sich die BfB seit längerem bemüht, ein Carsharing-Angebot aufzubauen. Schon im Frühjahr 2017 wurde diesbezüglich Kontakt zu Stadt und Stadtwerken aufgenommen. Von Seiten der Stadt und den Stadtwerken erfolgten jedoch keine Impulse. Im September 2019 erfolgte daher eine neue Initiative der BfB durch Emmerich Huber mit Vorschlag, dass die BfB Carsharing in Forchheim einführt. Einzige Bedingung/Bedarf: 2 kostenlose Stellplätze mit Lademöglichkeit.

Auf die Anfragen an Stadt und Stadtwerke kamen Ende Sept. / 1. Okt. 2019 per mail und via Presse positive Rückmeldungen von Stadt und Stadtwerken (wichtiges Thema, sind dran, setzen uns mit BfB in Verbindung). Weitere Reaktion gab es nicht, insbesondere keine Zusage/Vorschlag/Gespräch. Mitte November 2019 erfolgte daher eine neue Nachfrage zum Sachstand mit Erneuerung des Angebots. Bisher erfolgte jedoch keine Reaktion.

Vorschlag /Modell BfB:

  • Buchungsplattform Flinkster (wegen der Kosten als Untergruppe von „Mei Audo“ in Bamberg)
  • Beginn mit 2 Autos, nur elektrisch zur Vermeidung CO2 und Lärm in der Stadt
  • Betrieb durch BfB
  • Standortgebunden
  • Modell richtet sich nicht an jeden, sondern an geschlossenen Kreis, d.h., die, die sich beteiligen. Grund: Wartung der Autos
  • Finanzierung der Autos durch neue Einlage von 2 Genossenschaftsanteilen bei BfB = 1050 Euro (natürlich renditeberechtigt, ca. 3% p.a.)
  • Kein weiterer Beitrag

Am 11.1.2020 fand ein Treffen von 11 Interessierten in Tiefgarage Paradeplatz statt. Stimmen der Teilnehmer:

  • Umweltfreundliche Alternative, auch für Bürger ohne eigenes Auto. Höchste Zeit für diese Dienstleistung. Idee Autos zu teilen – insg. weniger Produktion von Autos
  • E-Autos fahren sich leicht und eher defensiv
  • Teil eines neuen Verkehrskonzepts zusammen mit ÖPNV
  • Verzicht auf eigenes Auto ist leicht(er), wenn man im Notfall, z.B. für Transporte, auf ein Auto zugreifen kann – ohne kommerziellen Vermieter
  • Würde mein eigenes Auto aufgeben, wenn Carsharing in FO
  • Carsharing kann zu deutlich weniger Autos in der Stadt führen => weniger Park- und Stellflächen notwendig, evtl. weniger Stellfläche bei Neubauten etc.

Plan:

Emmerich Huber geht in der Hoffnung auf konkrete positive Reaktionen nochmal auf die Stadt zu. Ohne zentralen Stell-/Ladeplatz sieht die BfB keine Möglichkeit der Umsetzung und des Angebots von Carsharing in Forchheim.

Wer das Projekt unterstützen möchte, wird gebeten, sie direkt an die BfB  zu wenden (info[at]bfb-energie.de)

Und wer sich an weiteren Aktivitäten im Verkehrsbereich – z.B. beim ÖPNV – beteiligen oder diese aufbauen möchte, kann eine entsprechende Themengruppe gründen. Am besten dazu mal zu einem unserer Treffen des Arbeitskreises „Allgemeine Aufgaben und Koordination“ (auch Aktivisten-Treffen genannt) kommen oder sich per Mail melden (info@transition-forchheim.de).