Wir vermüllen die Erde – die Fakten

In der Natur gibt es keinen Abfall, denn sie funktioniert in Kreisläufen: Jedes verbrauchte Material ist Nährstoff und Grundlage für etwas Neues.

Müll ist eine Erfindung von uns modernen Menschen und das, was übrigbleibt, wenn die Nutzungsphase eines Produkts beendet ist. Hinzu kommt der „Verpackungsmüll“, der das Produkt auf dem Weg vom Hersteller zum Kunden gegen äußere Einflüsse geschützt hat. Jeder „Müll“ enthält Rohstoffe und seine Herstellung hat Energie gekostet. Doch auch der Mensch ist Teil der Natur und so ist es unsere Aufgabe, durch entsprechende Strategien die Rohstoffkreisläufe schließen und damit Müll vermeiden.

Müllaufkommen in Deutschland

Von einer Kreislaufwirtschaft sind wir gegenwärtig noch weit entfernt – sowohl in Deutschland als auch weltweit.

Deutschland, das Mutterland der Mülltrennung, produziert so viel Plastikmüll wie kein anderes Land in Europa. Das Müllaufkommen in Deutschland liegt weit über dem EU-Schnitt. 2018 betrug es durchschnittlich 227,5 kg/Person (Umweltbundesamt)  und lag damit nochmals ein Kilo über dem Vorjahreswert.

Private Verbraucher haben daran einen Anteil von 107,7 kg/Kopf (= 47%). Grund dafür ist auch der Lebensstil hierzulande mit Online-Handel und To-go-Produkten.

Auffällig ist, dass die Menge an Verpackungsmüll mit dem Bruttoinlandsprodukt (BIP) angestiegen ist. Mehr Müll durch mehr Wirtschaftskraft? Tatsächlich ist das Verhältnis zwischen Müllmenge und BIP eine anerkannte Größe, um die Nachhaltigkeit im Umgang mit Müll zu messen. Steigt das BIP, während die Müllmenge sinkt, spricht das für Nachhaltigkeit. Seit 1995 steigt der Müllverbrauch in Deutschland allerdings mit dem BIP an. Hier entgegen zu wirken, ist eine Aufgabe für Bürger und Politiker.

Und im Zuge der Corona-Schutzmaßnahmen dürfte die Müllmenge eine starke Steigerung erfahren, da die Umsätze im Onlinehandel und bei der To-Go-Verpflegung mit Einwegverpackungen zugenommen haben, hinzu kommen ungezählte Masken und Einmalhandschuhe, Schutzkleidung, etc. Insbesondere die Masken bilden ein spezielles Müll-Risiko.

Müllarten

Alles, was wir in den Müll werfen, wurde vorher unter Einsatz von (teilweise knappen, in jedem Fall aber endlichen) Ressourcen und Energien produziert. Das Müllproblem ist äußerst komplex und kann aus verschiedenen Blickwinkeln betrachtet werden. So kann man Müll unterscheiden nach

  • Herkunft: aus privaten Haushalten oder aus dem produzierenden und verarbeitenden Gewerbe
  • Müllart: Verpackungsmüll, ausgediente Konsumartikel, Produktionsabfälle, Bauschutt, etc.
  • Material: Bauschutt, Biomüll und Gartenabfälle, Elektronikschrott, Glas, Holz, Kunststoffe, Metall, Papier, Textilien, gemischte Materialien, Sondermüll, etc.
  • Fundort: Mülltonnen und -säcke, Recyclinghöfe, in Flüssen und Meeren, auf dem Feld und im Wald, am Straßenrand, etc.

Recycling

Doch egal, wie man es betrachtet, es geht darum, Abfälle möglichst gar nicht erst entstehen zu lassen und die entstehenden weitestgehend wieder in den Produktionskreislauf zurückzuführen (Re-Cycling). Recycling setzt eine möglichst sortenreine Müllsortierung nach Materialien voraus. Deshalb wurde 1991 das duale Abfallsystem mit dem Grünen Punkt und dem Gelben Sack gegründet. Dies sollte zu einer höheren Recyclingquote und sinkenden Abfallmengen führen, da die Kosten für den Grünen Punkt den Kaufpreis der entsprechenden Waren erhöhten und die eingenommenen Gelder in die Entsorgungskosten fließen sollten.
Leider hat das System nicht den gewünschten Erfolg gebracht. Zwar wird der Müll jetzt sortiert und in verschiedenfarbige Tonnen bzw. den Gelben Sack getan, aber die Gesamtmüllmenge hat sich seit 2000 nicht wesentlich reduziert, der Abfall aus Haushalten nahm sogar zu. Man kann sich des Eindrucks nicht erwehren, dass die Müllsortierung als Vorwand gebraucht wird, nicht mehr auf die Vermeidung von Abfällen zu achten.

Die Recycling-Quote

Die tatsächliche Recyclingquote ist extrem vom Material abhängig. So ist die Quote bei Papier und Karton mit 87,6 Prozent und bei Glas mit 84,4 Prozent vergleichsweise hoch. Bei Verpackungen aus Kunststoff gibt das Umweltbundesamt eine Wiederverwertungsquote von nahezu 50 Prozent an.
Doch Kritiker werfen den Behörden vor, diese Zahlen zu schönen. Entscheidend ist hierbei, wie diese Statistiken entstehen. Zur Recycling-Quote zählen nämlich offiziell alle Abfälle, die zu einer Sortieranlage geliefert werden. Doch etwa ein Drittel der Verpackungen, die im Gelben Sack landen, gelten als „nicht recyclingfähig“. Sie sind entweder sogenannte „Fehlwürfe“, stark verschmutzt oder bestehen aus Verbundmaterialien, die in den Anlagen nur schwer voneinander zu trennen sind. Diese werden in Müllverbrennungsanlagen thermisch – zu Strom oder Fernwärme – verwertet oder an Zementwerke geleitet, wo sie teures Erdöl und Erdgas als Brennstoff ersetzen. In der Statistik gelten sie aber dennoch als „recycelt“.

Kreislaufwirtschaft

Noch ist daher hierzulande der Kreislauf, in den alles Plastik im Idealfall gelangen soll, damit aus alten Verpackungen wieder neue werden, zu großen Teilen Fiktion. Um der stagnierenden Recyclingquote etwas entgegenzusetzen, ist am 1. Januar 2019 ein neues Verpackungsgesetz in Kraft getreten. Sein Ziel ist es, die Recyclingfähigkeit von Verpackungen zu verbessern und Mehrwegalternativen zu fördern. Damit verbunden sind außerdem höhere Recyclingquoten. Dies betrifft alle Verpackungen, mit denen sich Hersteller bei den Dualen Systemen beteiligen müssen und die über die Wertstoffsammlungen (Glas-, Papiersammlung, Gelber Sack, Gelbe Tonne, Wertstofftonne und Wertstoffhöfe) entsorgt werden. Bei Kunststoff soll die Quote bis 2022 auf 63 Prozent steigen, bei Metallen, Papier und Glas sogar auf 90 Prozent. Experten halten Letzteres für durchaus realistisch – die Quoten bei Plastikverpackungen aus heutiger Sicht jedoch für völlig utopisch.
Quelle: SZ  

Ein Teil des deutschen Mülls landet aber auch im Ausland. Andere Länder kaufen vor allem gerne Plastikmüll aus Deutschland, um daraus neue Kunststoffe herzustellen. Rund elf Prozent aller Verpackungsabfälle aus Deutschland wurden im Jahr 2016 ins Ausland exportiert, um sie zu recyceln. Gleichzeitig kauft Deutschland selbst Müll aus dem Ausland, vor allem Papier und Glas. Plastikabfälle hat Deutschland 2016 nicht gekauft, erklärt das Umweltbundesamt. Laut Umweltministerium exportierte Deutschland 24,3 Millionen Tonnen Müll, importierte selbst aber nur 22,1 Millionen Tonnen. Bis 2017 galt China noch als „Mülldeponie der Welt“. 56% aller Plastikabfälle weltweit landeten dort. Zum 1. Januar 2018 hat China aber den Import von verschiedenen Arten von Müll gestoppt, darunter unsortierter Plastikmüll.
Quelle: https://www.dw.com/de/das-passiert-mit-dem-deutschen-m%C3%BCll/a-46458099

Weitere Fakten zum Müllaufkommen in Deutschland (hier klicken – ) Verfügbar bis 16.10.2024

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