Wenn wir alles ausbeuten, was die Erde uns bietet,
werden wir irgendwann nichts mehr haben
(Dalai Lama)

Reparieren statt Wegwerfen = aktiver Klimaschutz

Die Fakten zur Klimakrise

Die Klimakrise ist durch die Corona-Pandemie nicht verschwunden. Wir leben noch immer in einer Wegwerfgesellschaft, in der Dinge hergestellt werden, die schnell kaputt gehen (sollen) und dann weggeworfen und durch Neuanschaffungen ersetzt werden. So entsteht viel Müll und für die Produktion neuer Waren werden viele Rohstoffe und Energie benötigt und das Klima belastet.

Eine Analyse des European Environmental Bureau – EEB – hat gezeigt: Würden alle Waschmaschinen, Notebooks, Staubsauger und Smartphones in der EU um nur ein Jahr länger verwendet werden, dann würde das jährlich rund 4 Millionen Tonnen Kohlendioxid (CO2) einsparen. Das entspricht der Menge, die eingespart würde, wenn rund 2 Millionen weniger Autos auf den Straßen fahren würden. Reparieren ist also aktiver Klimaschutz!

Häufig wird für den Kauf neuer Produkte argumentiert, dass das neue Gerät im Gebrauch weniger Energie benötige und daher umweltfreundlicher und klimaschonend sei. Dabei wird jedoch übersehen, dass sowohl die Produktion des neuen Gerätes als auch die Entsorgung des alten Gerätes viele Ressourcen und Energie verbrauchen. So entstehen 72% der Umweltauswirkungen eines Handys nicht während der Nutzungsphase, sondern bei Herstellung und Entsorgung! Für Notebooks und Computer liegt dieser Anteil bei 52 %, für Waschmaschinen immerhin noch bei 25%. Um die Umwelt und das Klima zu schonen, sollte man also möglichst langlebige Produkte kaufen und diese in einem Schadensfall reparieren lassen. Denn jede Produktion – und auch die Entsorgung des ersetzten Teils – wirkt sich stark auf die Umwelt aus, daher ist die Frage, wann ein Gerätetausch ökologisch sinnvoll? Angenommen, dass die Energieeffizienz von Geräten jedes Jahr um 5% zunimmt (ein sehr hoher Wert, der in der Realität schwer erreichbar ist), müssten viele Geräte wesentlich länger genutzt werden, bis ein Neukauf ökologisch Sinn macht:

  • Je länger ein Handy genutzt wird, desto besser. Aus ökologischer Sicht wäre es sinnvoll, das Handy ganze 25 Jahre lang zu verwenden. Derzeit wird ein Mobiltelefon aber im Schnitt alle 3 Jahre ausgetauscht.
  • Bei Notebooks ist der Austausch aus ökologischer Sicht nach frühestens 20 Jahren sinnvoll. Sie werden aber durchschnittlich nach 4,5 Jahren ersetzt.
  • Ähnliches gilt für alle anderen Geräte wie Kühlschrank, Waschmaschine, etc.
(Quelle)

Aktuelles

Unser Reparatur-Treffen am 08. August 2020 im Pfarrheim Verklärung Christi war ein Erfolg. Trotz brütender Hitze und der Verunsicherung durch das Corona-Virus wurden 11 Gegenstände zum Reparieren gebracht, von denen 5 erfolgreich repariert werden konnten (= 45,5%).

Das im September in den Räumen von Packmer’s geplante Reparatur-Treffen muss leider ausfallen.

Wir planen, am Samstag, den 17.10.2020 von 15 bis 18 Uhr wieder ein Reparatur-Café in der Pfarrgemeinde Verklärung Christi durchzuführen und dafür zu gegebener Zeit eine Genehmigung beim Landratsamt zu beantragen. Wir werden hier zu gegebener Zeit darüber informieren.

Wer etwas zu reparieren hat, ist dann wieder herzlich willkommen, wird aber gebeten, eine Mund-Nase-Bedeckung zu tragen und auch auf den vorgeschriebenen Abstand von 1,5 m zum Nächsten zu achten. Eine Anmeldung zum Reparatur-Café ist nicht erforderlich. Die Reparatur erfolgt kostenlos, Spenden sind aber willkommen. Eventuelle Ersatzteile müssen mitgebracht oder bezahlt werden. Unter Umständen können auch kleine Näh-Reparaturen ausgeführt werden, soweit bei dem jeweiligen Termin ein*e entsprechende*r Reparateur*in anwesend ist. Vermutlich wird es auch das nächste Mal keinen Kaffee und Kuchen geben, aber jeder darf sich natürlich eigene Getränke mitbringen.

Euer Reparatur-Café-Team

Geschichte der Reparatur-Cafés

Die Reparatur-Cafés (auch: Repair Café) gehen auf Martine Postma, eine niederländische Publizistin, zurück. Seit 2007 setzt sie sich auf verschiedene Arten für Nachhaltigkeit auf lokaler Ebene ein. 2009 kam sie zusammen mit dem Groninger Nachhaltigkeitsmanager Peter van Vliet auf die Idee des „Repair Café“. Diese sollten Treffpunkte im ganzen Land sein, in denen Menschen ihre eigenen defekten Gegenstände unter fachkundiger Begleitung und in entspannter Atmosphäre reparieren können.
Das erste Repair Café fand am 18. Oktober 2009 in Amsterdam-West statt. Viele Bewohner aus der Nachbarschaft und auch Interessierte von außerhalb kamen an jenem Sonntag ins Foyer des Fijnhout Theaters, wo Reparaturexperten sie mit Werkzeug und Material erwarteten. Der Nachmittag war ein großer Erfolg. Für Martine was dies der Anlass, die Stiftung „Stichting Repair Café“ ins Leben zu rufen. Diese niederländische Non-Profit-Organisation bietet lokalen Gruppen im In- und Ausland, die selbst ein eigenes Repair Café eröffnen wollen, seit 2011 professionelle Unterstützung an. Am 2. März 2010 wurde die „Stichting Repair Café Niederlande“ gegründet, die daraufhin noch im gleichen Jahr gut zehn Repair Café-Treffen in Amsterdam organisierte. Von dort aus verbreitete sich die Idee über die Grenzen der Niederlande hinaus und inzwischen gibt es weltweit über 1000 Repair Café/Reparatur-Cafés.

Neben der Webseite www.repaircafe.org, die von der Stichting Repair Café aus Holland betrieben wird, gibt es die von der anstiftung gegründete und betreute Netzwerk-Plattform www.reparatur-initiativen.de, in der auch unser Reparatur-Café vernetzt ist. Sind das zwei konkurrierende Netzwerke? Nein, denn Konkurrenz entspringt einer Marktlogik. Wir setzen auf Kooperation, die Logik der Commons. Die anstiftung unterstützt Reparatur-Initiativen nicht als Marke oder Logo, sondern arbeitet mit AkteurInnen und Initiativen freier Assoziation und Namensgebung zusammen, die zu einer commons-basierten Kultur der Nachhaltigkeit und des gemeinschaftlichen Selbermachens beitragen wollen. Wir werden hin und wieder gefragt, ob die kostenlosen Reparaturtreffen eine Konkurrenz für Reparatur-Profis sind. Die Antwort lautet: im Gegenteil! Mit Reparatur-Cafés möchten Organisatoren aus dem ganzen Land vielmehr das Interesse am Reparieren wieder wecken. Besucher werden regelmäßig an die (wenigen) Profis weiter verwiesen, die es (noch) gibt. Außerdem sind die Besucher von Repair Cafés in den meisten Fällen keine Kunden von Reparaturfachleuten. Die Besucher erzählen, dass sie kaputte Gegenstände meistens sofort wegwerfen, da sie die Reparatur in der Regel zu teuer finden. Im Repair Café sehen sie, dass es zum Wegwerfen tatsächlich Alternativen gibt.

Termine

Hier sind die aktuellen Termine für die nächsten Monate (alle unter Vorbehalt wegen Corona)

  • Samstag, 17.10.2020 von 15-18 h bei Verklärung Christi
  • Dienstag, 24.11.2020 von 15-18 h bei Packmer’s
  • Samstag, 09.01.2021 von 15-18 h bei Verklärung Christi

Und hier ein kleiner Einblick in den Ablauf der Reparatur-Cafés:

Die Besucher bringen die zu reparierenden Teile mit und unterschreiben eine Haftungsbegrenzung, da wir nicht für den Erfolg der Reparaturen garantieren können. Es kann auch geschehen, dass während der Reparatur etwas abbricht, weil Teile porös o.ä. sind. Jeder Besucher erhält eine Wartenummer und die Reparatur erfolgt in der Regel in dieser Reihenfolge. Während der Wartezeit kann man sich normalerweise bei Kaffee und Kuchen unterhalten.
Die Reparatur erfolgt kostenlos, aber natürlich freuen wir uns über Spenden, um die Kosten zu decken. Ersatzteile müssen von den Besuchern mitgebracht oder – falls bei uns vorhanden – bezahlt werden.

Online-Petition:
Reparierbare Smartphones

Mitmachen und Reparaturfreundlichkeit fordern:

Im März 2020 veröffentlichte die EU-Kommission einen Aktionsplan „Kreislaufwirtschaft“ – die Gelegenheit, um darin auch die Reparierbarkeit von u.a. Smartphones aufzugreifen. Im Rahmen der Right-to-Repair-Europe-Kampagne könnt ihr die Online-Petition für reparierbare Smartphones unterzeichnen, damit diese Geräte in künftige Ökodesign-Arbeitspläne aufgenommen werden. Anforderungen an Reparierbarkeit oder Verfügbarkeit von Ersatzteilen, wie sie bereits für Kühlschränke oder Waschmaschinen definiert wurden, müssen auch für Smartphones (und anschließend andere IKT-Produkte) entwickelt werden.

Link zur Petition

Wie das Reparatur-Café
nach Forchheim kam

Das Forchheimer Reparatur-Café wurde bereits 2016 von Mitarbeiter*innen der Naturstrom AG in Kooperation mit dem Klimaschutzbeauftragten des Landratsamts Forchheim und dem Bürgerzentrum Mehrgenerationenhaus als Beitrag zum Klimaschutz ins Leben gerufen. Seitdem finden mehrmals jährlich nachmittags in den Räumen von Packmer’s (Haidfeldstraße 6, 91301 Forchheim) Reparatur-Cafés statt.

Da ganz offensichtlich ein großer Reparaturbedarf besteht, haben wir seit Beginn des Jahres 2020 nun eine weitere Möglichkeit und können zusätzliche Termine im Pfarramt der kath. Kirchengemeinde Verklärung Christi (Jean-Paul-Str. 4, 91301 Forchheim) anbieten. Dort haben wir einen Werkraum zum Reparieren und zur Lagerung von Werkzeug sowie das Kaminzimmer zum Kaffeetrinken und Kuchenessen während der Wartezeit) zur Verfügung.


Wir suchen ständig weitere ehrenamtliche Helfer. Egal, ob handwerklich begabt als Reparateur oder zur Unterstützung bei den administrativen Aufgaben und natürlich werden auch Menschen gebraucht, die einen Kuchen backen, damit unser Reparatur-Café seinem Namen gerecht wird. Melde dich bei uns, wenn du zum Team gehören möchtest (reparatur-cafe@transition-forchheim.de)

RC-2020-02-08-04

Und hier noch einige interessante Links zum Thema Reparieren:

  • Anstiftung: Die Anstiftung fördert, vernetzt und erforscht Räume und Netzwerke des Selbermachens. Dazu gehören Interkulturelle und Urbane Gärten, Offene Werkstätten, Reparatur-Initiativen, Open-Source-Projekte ebenso wie Initiativen zur Belebung von Nachbarschaften oder Interventionen im öffentlichen Raum.
  • Reparatur-Initiativen finden, unterstützen und gründen – Vernetzung, Beratung und Austausch
  • kaputt.de gibt Anleitungen zum Reparieren oder Hinweise auf Fachwerkstätten

SPLiTTER ist das Medium für alle Reparatur-Initiativen im deutschsprachigen Raum.

Hier die bisherigen Ausgaben zum Download:

Und hier noch ein paar visuelle Eindrücke der letzten Reparatur-Cafés

Reparatur-Treffen am 08. August 2020 ohne Kaffee und Kuchen, aber mit Corona-Schutzmaßnahmen:
Abstand und Mundschutz und Desinfektionsmöglichkeiten

Kurz vor dem Corona-Lockdown fand am 10. März 2020 noch ein Reparatur-Café bei Packmer’s statt

Am 08. Februar 2020 fand das erste Reparatur-Café in den Räumlichkeiten der katholischen Pfarrgemeinde Verklärung Christi statt.

Am 26. November 2019 stellte Packmer’s seine Räume wieder für unser Reparatur-Café zur Verfügung und viele Besucher nahmen das Angebot wahr.