Um das Müll-Problem zu lösen
müssen wir wie die Natur in Kreisläufen
denken, produzieren und leben:
Alles dient Allem,
aus allem Alten entsteht Neues,
– ohne dass so etwas wie „Müll“ übrigbleibt

Zero Waste – für eine Welt ohne Müll

Wir vermüllen die Erde – die Fakten

In der Natur gibt es keinen Abfall, denn sie funktioniert in Kreisläufen: Jedes verbrauchte Material ist Nährstoff und Grundlage für etwas Neues. Müll ist eine Erfindung von uns modernen Menschen. Doch auch wir sind Teil der Natur und können durch entsprechende Strategien die Rohstoffkreisläufe schließen und so Müll vermeiden.

Doch davon sind wir gegenwärtig noch weit entfernt. Deutschland, das Mutterland der Mülltrennung, produziert so viel Plastikmüll wie kein anderes Land in Europa. Das Müllaufkommen in Deutschland liegt mit durchschnittlich 226,5 kg/Person (Umweltbundesamt 2017) weit über dem EU-Schnitt. Auffällig ist, dass die Menge an Verpackungsmüll mit dem Bruttoinlandsprodukt (BIP) angestiegen ist. Mehr Müll durch mehr Wirtschaftskraft? Tatsächlich ist das Verhältnis zwischen Müllmenge und BIP eine anerkannte Größe, um die Nachhaltigkeit im Umgang mit Müll zu messen. Steigt das BIP, während die Müllmenge sinkt, spricht das für Nachhaltigkeit. Seit 1995 steigt der Müllverbrauch in Deutschland allerdings mit dem BIP an.

Und im Zuge der Corona-Schutzmaßnahmen dürfte die Müllmenge 2020 eine starke Steigerung erfahren, da die Umsätze im Onlinehandel und bei der To-Go-Verpflegung mit Einwegverpackungen zugenommen haben, hinzu kommen ungezählte Masken und Einmalhandschuhe, Schutzkleidung, etc. Insbesondere die Masken bilden ein spezielles Müll-Risiko.

Alles, was wir in den Müll werfen, wurde vorher unter Einsatz von (teilweise knappen, in jedem Fall aber endlichen) Ressourcen und Energien produziert. Das Müllproblem ist äußerst komplex und kann aus verschiedenen Blickwinkeln betrachtet werden:

  • Müll nach Herkunft: aus privaten Haushalten oder aus dem produzierenden und verarbeitenden Gewerbe
  • Müll nach Art: Verpackungsmüll, ausgediente Konsumartikel, Produktionsabfälle, Bauschutt, etc.
  • Müll nach Material: Bauschutt, Biomüll und Gartenabfälle, Elektronikschrott, Glas, Holz, Kunststoffe, Metall, Papier, Textilien, gemischte Materialien, Sondermüll, etc.
  • Müll nach Fundort: Mülltonnen und -säcke, Recyclinghöfe, in Flüssen und Meeren, auf dem Feld und im Wald, am Straßenrand, etc.

Doch egal, wie man es betrachtet, es geht darum, Abfälle möglichst gar nicht erst entstehen zu lassen und die entstehenden weitestgehend wieder in den Produktionskreislauf zurückzuführen (Re-Cycling). Recycling setzt eine möglichst sortenreine Müllsortierung nach Materialien voraus. Deshalb wurde 1991 das duale Abfallsystem mit dem Grünen Punkt und dem Gelben Sack gegründet. Dies sollte zu einer höheren Recyclingquote und sinkenden Abfallmengen führen, da die Kosten für den Grünen Punkt den Kaufpreis der entsprechenden Waren erhöhten und die eingenommenen Gelder in die Entsorgungskosten fließen sollten. Leider hat das System nicht den gewünschten Erfolg gebracht. Zwar wird der Müll jetzt sortiert und in verschiedenfarbige Tonnen bzw. den Gelben Sack getan, aber die Gesamtmüllmenge hat sich seit 2000 nicht wesentlich reduziert, der Abfall aus Haushalten nahm sogar zu. Man kann sich des Eindrucks nicht erwehren, dass die Müllsortierung als Vorwand gebraucht wird, nicht mehr auf die Vermeidung von Abfällen zu achten. Die tatsächliche Recyclingquote ist extrem vom Material abhängig. So ist die Quote bei Papier und Karton mit 87,6 Prozent und bei Glas mit 84,4 Prozent vergleichsweise hoch. Bei Verpackungen aus Kunststoff gibt das Umweltbundesamt eine Wiederverwertungsquote von nahezu 50 Prozent an. Doch Kritiker werfen den Behörden vor, diese Zahlen zu schönen. Entscheidend ist hierbei, wie diese Statistiken entstehen. Zur Recycling-Quote zählen nämlich offiziell alle Abfälle, die zu einer Sortieranlage geliefert werden. Letzteres ist ziemlich häufig der Fall, da etwa ein Drittel der Verpackungen, die im Gelben Sack landen, als „nicht recyclingfähig“ gelten. Sie sind entweder sogenannte „Fehlwürfe“, stark verschmutzt oder bestehen aus Verbundmaterialien, die in den Anlagen nur schwer voneinander zu trennen sind. Diese werden in Müllverbrennungsanlagen thermisch – zu Strom oder Fernwärme – verwertet oder an Zementwerke geleitet, wo sie teures Erdöl und Erdgas als Brennstoff ersetzen. In der Statistik gelten sie aber dennoch als „recycelt“.

Noch ist daher hierzulande der Kreislauf, in den alles Plastik im Idealfall gelangen soll, damit aus alten Verpackungen wieder neue werden, zu großen Teilen Fiktion. Um der stagnierenden Recyclingquote etwas entgegenzusetzen, ist am 1. Januar 2019 ein neues Verpackungsgesetz in Kraft getreten. Sein Ziel ist es, die Recyclingfähigkeit von Verpackungen zu verbessern und Mehrwegalternativen zu fördern. Damit verbunden sind außerdem höhere Recyclingquoten. Dies betrifft alle Verpackungen, mit denen sich Hersteller bei den Dualen Systemen beteiligen müssen und die über die Wertstoffsammlungen (Glas-, Papiersammlung, Gelber Sack, Gelbe Tonne, Wertstofftonne und Wertstoffhöfe) entsorgt werden. Bei Kunststoff soll die Quote bis 2022 auf 63 Prozent steigen, bei Metallen, Papier und Glas sogar auf 90 Prozent. Experten halten Letzteres für durchaus realistisch – die Quoten bei Plastikverpackungen aus heutiger Sicht jedoch für völlig utopisch.

Quelle: SZ

Ein Teil des deutschen Mülls landet aber auch im Ausland. Andere Länder kaufen vor allem gerne Plastikmüll aus Deutschland, um daraus neue Kunststoffe herzustellen. Rund elf Prozent aller Verpackungsabfälle aus Deutschland wurden im Jahr 2016 ins Ausland exportiert, um sie zu recyceln. Gleichzeitig kauft Deutschland selbst Müll aus dem Ausland, vor allem Papier und Glas. Plastikabfälle hat Deutschland 2016 nicht gekauft, erklärt das Umweltbundesamt. Laut Umweltministerium exportierte Deutschland 24,3 Millionen Tonnen Müll, importierte selbst aber nur 22,1 Millionen Tonnen. Bis 2017 galt China noch als „Mülldeponie der Welt“. 56% aller Plastikabfälle weltweit landeten dort. Zum 1. Januar 2018 hat das Land aber den Import von verschiedenen Arten von Müll gestoppt, darunter unsortierter Plastikmüll. Das chinesische Importverbot hat Europa unerwartet getroffen. Die EU versuchte sogar, eine Übergangsphase mit China auszuhandeln – ohne Erfolg. Ein Grund mehr, dem Verpackungsmüll den Kampf anzusagen und die Recycling-Quoten zu erhöhen.
Quelle: DW.com

„Das größte Problem ist die Vermischung unterschiedlicher Materialien: Dosen aus Metall sind plastikbeschichtet, Papiertaschentücher verrotten jahrelang nicht, weil sie einen Kunststoff als Bindemittel enthalten.“ Michael Braungart, Ökodesign-Experte.
Quelle: Die Zeit

„Ich finde, wir sollten das Pfandsystem ausweiten. Jede Plastikverpackung hätte ein Pfand, Supermärkte müssten sie zurücknehmen.“ Michael Braungart, Ökodesign-Experte, Quelle: Die Zeit

 

Die Zero-Waste-Bewegung setzt sich für eine saubere Welt ein. Dabei fangen wir bei uns selbst an. Wir beschäftigen uns mit unterschiedlichen Strategien der Müllvermeidung wie zum Beispiel Minimalismus, intelligentem Konsum, Cradle to Cradle, weltweiten Lösungsansätzen und unserem lokalen Abfallwirtschaftssystem. Wir wollen uns und andere inspirieren, Dinge besser zu machen und die Verantwortung für das eigene Verhalten und die Umwelt zu übernehmen. Nicht nur für die Umwelt und unsere Gesundheit ist eine Welt ohne Müll notwendig, sie spart auch Ressourcen sowie Zeit und Geld. Es ist uns wichtig, uns zu vernetzen, von einander zu lernen, Ideen aufzugreifen und weiterzuführen, Anregungen und Beispiel zu geben, Mut zu machen, neue Wege zu gehen – ohne erhobenen Zeigefinger. Daher ist es unser Bestreben, Wirtschaft und Verbraucher, Politiker und Hersteller, begeisterte Nachhaltigkeitsanfänger und langjährige Aktivisten/Mitmacher zusammenbringen und gemeinsam etwas bewirken. Tolle Kontakte, Spaß und ein gutes Gewissen sind inklusive!

Im Landkreis Forchheim gibt es zwar bisher keine Zero-Waste-Gruppe, aber regelmäßige Plogging-Treffen – siehe Forchheim-Plogging

Und vielleicht hast du ja Lust, an eine Zero-Waste-Gruppe in Forchheim mitzugründen – dann melde dich bei uns (transition-forchheim@posteo.de oder info@transition-forchheim.de).

Solange es keine Zero-Waste-Gruppe gibt, können wir hier nur Hinweise geben, was jeder Einzelne gegen die Müllflut tun kann:

  • Viele Plastikverpackungen sind unnötig, insbesondere bei Obst und Gemüse sollte man unverpackte Ware bevorzugen.
  • Es ist auch nicht nötig, die Zahnpastatube nochmals mit einer Papierverpackung zu versehen.
  • Es gibt eine sehr sinnvolle App: replace Plastic, die man sich aufs Smartphone laden kann. Sie verbindet Verbraucher-Protest mit dem Appell an Unternehmen, etwas zu ändern. Mit der App Replace Plastic kannst du den Barcode beliebiger Produkte scannen und dann dem Hersteller dieser Produkte eine vorformulierte Nachricht schicken, die ihn informiert, dass man dieses Produkt lieber ohne oder mit weniger Plastik hätte.
  • Achte darauf, dass du zum Einkaufen immer einen Stoffbeutel, einen Korb oder Rucksack dabei hast, dann brauchst du keine Plastiktüten und auch keinen weiteren Stoffbeutel oder Papiertüten zu kaufen, denn auch sie verbrauchen zur Herstellung Rohstoffe.
  • Vorhandene Plastiktüten kann man übrigens auch mehrfach verwenden.
  • Kaufe Brötchen beim Bäcker (und nimm auch dort eine eigene Tüte mit) statt welche zum Aufbacken in Plastikverpackung.
  • Kaufe Taschentücher nicht in einzelnen plastikverpackten Päckchen, sondern in einem Kartonspender.
  • Verwende Seifenstückestatt Flüssigseife im Plastikspender.
  • Verwende Nachfüllpackungen.
  • Verwende Akkus oder noch besser Geräte mit Stromanschluss und spare so Batterien.
  • Kaufe auch kein Bioplastik, denn es ist nur selten rückstandslos abbaubar.
  • Verzichte zu Hause auf Kaffeemaschinen, die mit Pads funktionieren, dieser Müll muss nicht sein.
  • Coffee-to-go kann lecker sein – aber bitte nicht in einem Wegwerfbecher. Wenn du nicht die Zeit hast, deinen Kaffee im Sitzen zu genießen, dann bring dir deinen eigenen Thermo-Kaffeebecher mit.
  • Kaufe Getränke nicht in Einwegverpackungen. Und möglichst auch nicht in Plastikflaschen, denn diese geben (insbesondere bei säurehaltigen Getränken) Weichmacher in die Flüssigkeit ab, die gesundheitsschädlich sind (auch wenn die Hersteller das abstreiten – es gibt inzwischen genügend wissenschaftliche Studien, die das belegen). Und auch wenn Glasflaschen schwerer zu tragen sind: die Gesundheit sollte einem das wert sein.
  • Überlege vor dem Einkauf, was du wirklich brauchst und wie du deinen Rohstoffverbrauch senken kannst. Auch Kleinigkeiten machen da einen Unterschied. Der beste Müll ist der Müll, der gar nicht erst entsteht.
  • Kaufe zeitlose Produkte statt kurzlebiger Modetrends.
  • Gib Dinge, die du nicht mehr brauchst oder nicht mehr haben willst, weiter, verkaufe sie oder spende sie, z.B. bei Packmer’s oder im Tierheim Forchheim  oder beim Verschenke-Basar.
  • Kaufe keine Einweggrills aus Aluminium.
  • Vermeide Alufolien und Alu-Grillschalen, denn sie geben Alu-Ionen ab, die für den Körper schädlich sind. Außerdem verbraucht die Produktion sehr viel Energie
  • Verwende Bienenwachstücher statt Alufolie oder Frischhaltefolie zum Verpacken von Lebensmitteln.
  • Zum Einkaufen am besten einen eigenen Behälter für Wurst, Käse, u.Ä. mitnehmen.
  • Wenn du (im Sommer) ein Eis isst, dann nimm es in der Waffel statt im Becher mit Plastiklöffel.
  • Vermeide Einweg-Produkte, z.B. bei Getränken, Feuerzeugen, Kugelschreibern und Ähnlichem.
  • Und was am Ende doch an Müll anfällt: sorgfältig trennen und in die dafür vorgesehenen Tonnen geben oder zum Recyclinghof schaffen.

Wenn du mehr zu (Mikro-)Plastik und Klimaschutz erfahren willst, findest du hier spannende Literatur:

Kunst gegen Vermüllung und Maßlosigkeit

Eine noch bis 08.11.2020 im Museum für bildende Künste Leipzig gezeigte Ausstellung wirft einen kritischen Blick auf den aktuellen Zustand der Erde und versucht zugleich, Alternativen aufzuzeigen. Einen kleinen Einbllick in die Ausstellung unter anderem mit Kurzfilmen gibt es hier.